Folge 16 – eine Woche Bosnien-Herzegowina im Uhrzeigersinn: von Dubrovnik über Mostar und Sarajevo bis in den Urwald des Sutjeska-Nationalparks.
Diese Folge verdanken wir einer Hörerin. Sie hatte Martins Status von seiner Bosnien-Reise gesehen und uns geschrieben, ob wir darüber nicht mal eine ganze Folge machen wollen. Wollen wir. Bosnien-Herzegowina ist eines dieser Länder, die noch erstaunlich unentdeckt sind – und das, obwohl hier auf engem Raum Osmanen, k.u.k.-Monarchie, Titos Jugoslawien, der Krieg der Neunziger und die Gegenwart übereinanderliegen. Kai war im vergangenen Jahr mit dabei, Martin war in diesem Sommer wieder dort, diesmal eine volle Woche nur in Bosnien. Herausgekommen ist eine Route, die ihr fast eins zu eins nachfahren könnt.
Warum eine Woche Bosnien genau richtig ist
Im letzten Jahr war Bosnien bei uns nur ein Teil einer größeren Tour mit Kroatien und Montenegro – nachzuhören in unserer Westbalkan-Folge. Diesmal hat Martin die ganze Zeit auf Bosnien konzentriert, und sein Fazit ist klar: Sieben Tage reichen vollkommen, um das Land richtig kennenzulernen. Kai hätte damals in Sarajevo gern noch einen Tag drangehängt, vor allem fürs Umland. Einig sind wir uns jedenfalls beim Essen. Und beim Nachtisch.
Für die Anreise gibt es zwei Wege. Ihr könnt direkt nach Sarajevo fliegen, Eurowings fliegt zum Beispiel ab Berlin und von vielen anderen deutschen Flughäfen. Für ein langes Wochenende ist das ein schöner Einstieg ins Land. Wer aber eine Rundreise machen will, startet besser in Dubrovnik: Dann beginnt ihr am Meer, fahrt ins Landesinnere des Balkans, schlagt einen Bogen über Mostar, Konjic und Sarajevo und kommt über den Nationalpark wieder zurück an die Adria. Wer nur in Sarajevo landet, muss das Land eher sternförmig erkunden.
Auftakt in Dubrovnik: das verlassene Hotel Belvedere
Dubrovnik ist natürlich ein sehr touristischer Einstieg. Aber die Farben, das Meer, die Berge und die Bauten der Altstadt sind eben auch wirklich schön. Und für Lost-Places-Fans hat die Stadt aktuell noch einen Geheimtipp: das Hotel Belvedere, südöstlich der Altstadt.
Zu jugoslawischen Zeiten war es eines der schönsten Hotels des Landes, seit dem Jugoslawienkrieg steht es leer. Heute könnt ihr über mehrere Etagen und Gebäude durch Restaurants, Ballsäle, Wellnessbereiche und Schwimmbäder streifen, durch halb zugewachsene Innenhöfe – und überall öffnen sich Blicke auf die Adria. Sportlich muss dafür niemand werden: Unten stehen alle Türen offen, man läuft einfach hinein, und schief angeschaut wird man auch nicht. Gerade jetzt lohnt sich der Abstecher doppelt, denn die Bucht von Kupari mit ihren vielen verlassenen Hotels ist inzwischen fast vollständig abgerissen worden, um Platz für Neubauten zu schaffen.
Kravica und die Buna-Quelle: Baden erlaubt, Kloster inklusive
Von Dubrovnik ging es diesmal per Transfer direkt Richtung Mostar – denn auf dieser Strecke liegt einiges, was wir im Vorjahr verpasst hatten. Kurz hinter der kroatisch-bosnischen Grenze warten die Kravica-Wasserfälle, die an Plitvice oder Krka in Kroatien erinnern. Mit einem entscheidenden Unterschied: In Kroatien ist das Baden in den Naturparks inzwischen verboten, an den Kravica-Fällen dürft ihr noch reinspringen. Romantisch allein im Wasserfall schwimmen solltet ihr euch allerdings nicht vorstellen. Bei der Hitze ist das eher eine sehr volle Badewanne.
Weiter geht es zur Buna-Quelle. Die Buna ist der Fluss, der später an Mostar vorbeifließt, und ihre Quelle gilt als eine der ergiebigsten Trinkwasserquellen Europas: Unten aus einer steilen Felswand schießen mehrere tausend Liter pro Sekunde heraus. Vor die Quelle hat man vor Jahrhunderten ein kleines Kloster gesetzt, dazu kleine Wasserfälle und jede Menge Restaurants. Martins Empfehlung: Morgens in Kroatien losfahren, nach knapp zwei Stunden an der Quelle eine Pause machen, fotografieren und zum ersten Mal in die bosnische Küche eintauchen. Wer mehr sehen will als nur Mostar, ist hier genau richtig.
Mostar: eine Brücke, viele Springer – und keiner springt
Mostar gilt als eine der heißesten Städte Europas. Wir haben im Vorjahr noch über die 50 Grad geschmunzelt, von denen immer erzählt wird – aber weit über 40 werden es wirklich. Martin hat diesmal zwei Nächte eingeplant, denn eine reicht nicht: Ein Tag für die Stadt mit einem lokalen, deutschsprachigen Guide (wer den Kontakt möchte, kann sich gern bei Martin melden), ein Tag fürs Umland.
Das Postkartenmotiv: der Stari Most, 1993 zerstört und bis 2004 wieder aufgebaut.
Das Postkartenmotiv ist natürlich der Stari Most, die alte Brücke. Das Original wurde 1566 unter den Osmanen gebaut und stand über Jahrhunderte – bis zum November 1993. Da wurde die Brücke im Krieg zerschossen und damit die letzte Verbindung zwischen dem bosniakischen und dem kroatischen Teil der Stadt gekappt. Bis 2004 hat man sie mit Geld aus verschiedenen Fonds wieder aufgebaut, unter anderem mit Beteiligung der UNESCO und Deutschlands, und dabei Originalsteine geborgen.
Von der Brücke gesprungen sind wir nicht, und die Profis leider auch nicht. Es gab in diesem Jahr gleich mehrere Springer, die posierten und Geld sammelten, um dann angeblich zu springen. Bis auf die Posen und die Promo-Aktion haben sie uns im Stich gelassen. Unten auf dem Fluss waren dafür noch mehr Schnellboote unterwegs als im Vorjahr – die Halbstarken von Mostar produzieren sich dort ungefähr so wie bei uns die Autoposer.
Unser Tipp für den besten Blick: Mostar ist einer der wenigen Orte, an denen ihr als Tourist ein Minarett besteigen könnt. Gegen einen kleinen Obolus – inzwischen auch mit Karte – geht es hinauf, und oben liegen euch Brücke und Altstadt zu Füßen. Unten davor hat sich ein schönes Café etabliert, in dem ihr bosnischen Kaffee mit Brückenblick trinken könnt. In Kairo hat man uns übrigens erzählt, dass es dort das einzige besteigbare Minarett gebe. Inzwischen kennen wir mehrere – wer viel reist, sammelt eben viele angeblich einmalige Gelegenheiten.
Rund um Mostar: k.u.k.-Festungen, Skywalk und eine Flugzeugkaverne
Die Landschaft rund um Mostar ist bergig, und genau deshalb haben die Österreicher zur k.u.k.-Zeit hier zahlreiche Befestigungsanlagen errichtet. Einige wurden im Jugoslawienkrieg zerschossen, andere stehen noch und lassen sich erkunden. Martins Gruppe hat zuerst ein unterirdisches Flugzeugkavernensystem am Flughafen besichtigt – ein Bunker für Flugzeuge, in den man hineinkommt, und für Bunker- und Militariafans ein spannender Lost Place. Auf dem Rückweg ging es hinauf zu einer Festung, wie man sie aus den Alpen kennt.
Unterwegs in der unterirdischen Flugzeugkaverne bei Mostar.
Ganz oben über der Stadt gibt es außerdem einen Skywalk mit zwei weiteren verlassenen Festungen. Von dort seht ihr die Geografie von Mostar besonders gut: die Stadt in ihrem Talkessel, ringsum Hügelketten, mittendrin der Fluss mit der Brücke. Lange hält man es dort oben bei der Hitze allerdings nicht aus, und das Kühle-Getränk-Argument hat schnell gewonnen.
Kleiner Exkurs, weil Kai gefragt hat: Wo gibt es in Europa sonst noch solche Flugzeugkavernen? In der Schweiz, aber dort nicht zugänglich. In Schweden steht in Göteborg das Aeroseum, ein Flugzeugmuseum in einer ehemaligen Kavernenanlage – mit einer Minikreuzfahrt ab Kiel habt ihr zwei Nächte an Bord und einen Tag in Göteborg. Bunker gucken, Zimtschnecken essen, weiter. Bei Bodø in Norwegen gab es Pläne, eine Anlage zum Museum umzubauen, doch die Norweger haben sich verständlicherweise entschieden, sie wieder in Betrieb zu nehmen. Und dann ist da noch Pantelleria, die kleine Insel südlich von Sizilien: Dort gibt es am Flugplatz ein Stollensystem, nach Martins Einschätzung sogar das erste Flugzeugstollensystem Europas. Viel kleiner als die Anlagen in Ex-Jugoslawien – aber der Vollständigkeit halber. Falls es dazu noch keinen Wikipedia-Eintrag gibt: Bitte, jemand schreibe einen.
Ćevapi und die Sache mit der großen Portion
Das Essen in Bosnien ist fleischlastig, und der König heißt Ćevapi. Dazu gibt es Zwiebeln – und in Bosnien eher nicht die rote Paste Ajvar, sondern eine weiße, schmandartige Creme. Martin gehört klar zur roten Fraktion. Muss man mögen.
Und einen Fehler solltet ihr nicht machen, den Martins Gruppe gleich zweimal gemacht hat: hungrig bestellen. Auf die Frage „klein, mittel oder groß?“ sagten alle „groß“ – und bekamen dann pro Person ungefähr 25 Ćevapi im Brotfladen, dazu Käse und Schmand. Geschafft haben es alle. Aber es war Mittagessen, und abends ging dann nichts mehr. Kein Dessert. Also: lieber die kleine Portion und notfalls nachbestellen.
Ćevapi im Brotfladen – bestellt lieber die kleine Portion.
Titos Atombunker bei Konjic: hinter dem Garagentor
Die alte Brücke von Konjic, unweit von Titos Bunker.
Auf dem Weg von Mostar nach Sarajevo fahrt ihr nicht nur durch eine großartige Landschaft, sondern auch an einem der geheimsten Bunker des Kalten Krieges vorbei: der Atomska Ratna Komanda D-0, Titos Atomkriegskommando bei Konjic. Eigentlich eine Führungsanlage der Jugoslawischen Volksarmee für den Ernstfall.
Von außen ein Einfamilienhaus mit Garage – dahinter beginnt Titos Atomkriegsbunker.
Von außen seht ihr nur ein Einfamilienhaus mit Garagenanbau in einem Tal an einem kleinen Fluss. Dann öffnet sich das Garagentor, und dahinter beginnt ein langer Tunnel in den Berg. Die Anlage ist hufeisenförmig, teils auf zwei Etagen ausgebaut, mit Konferenzsälen, Kommunikationstechnik und riesigen Notstromgeneratoren – alles, was so ein Bunker braucht. Gebaut wurde 26 Jahre lang, und vor Ort erzählt man, dass dort auch Zwangsarbeiter und politische Häftlinge schuften mussten, die man mit verbundenen Augen hingebracht habe. Wenn ihr jeden Morgen erst mal 500 Häftlingen die Augen verbinden und dann quer durch den Wald fahren müsst, wundert einen die lange Bauzeit nicht mehr.
Konferenzsaal im Bunker, Tito wacht von der Wand.
Platz war für 350 bis 400 Personen, nicht nur für die Armeeführung, sondern auch für die politische Elite. Autark überleben sollte man dort angeblich ein halbes Jahr. Wir beide halten das für weit übertrieben – schon ein Monat wäre eine lange Zeit gewesen. Früher musste man sich lange vorher anmelden und bekam nur wenige Zeitfenster, heute gibt es täglich vier Führungen in mehreren Sprachen. Für bunkeraffine Reisende ist das der perfekte Zwischenstopp: Die reine Fahrzeit von Mostar nach Sarajevo liegt bei dreieinhalb bis vier Stunden, und so vertretet ihr euch unterwegs die Füße und seht mehr vom Land als nur die Autobahn.
Lange Gänge, Notstrom, Konferenzsäle: alles, was so ein Bunker braucht.
Sarajevo 1984: Schanzen, Hotels und die Spuren der Belagerung
Wer aus den Bergen nach Sarajevo hineinfährt, kommt an den ersten Bauten der Olympischen Winterspiele von 1984 vorbei. Martins lokaler Fahrer kannte diesmal einen Weg, der bis zur halben Höhe der Skisprungschanze führt – im Vorjahr standen wir nur unten am Fuß im Landebereich. Die Sprungschanzen werden nicht mehr genutzt, höchstens der Gastrobereich und ein Lift nebenan für den privaten Wintersport. Auf dem Weg in die Stadt liegen außerdem zwei riesige Hotelkomplexe, die damals für die Olympioniken gebaut wurden.
Die Skisprungschanze der Winterspiele 1984 – heute ungenutzt.
Viele dieser Anlagen spielten im Krieg eine traurige Rolle. Sarajevo wurde von 1992 bis 1996 belagert, rund 1.400 Tage lang – eine der längsten Belagerungen einer Stadt in einem modernen Krieg. Versorgt wurde über eine Luftbrücke und durch einen geheimen Tunnel unter dem Flughafen, während die Stadt täglich von Scharfschützen und Artillerie beschossen wurde. Rund 11.000 Menschen kamen in der Stadt ums Leben. Kai kennt die Bilder noch aus der Tagesschau seiner Kindheit. Je nachdem, wie nah die Olympiabauten an der Front lagen, wurden sie umkämpft, dienten als Scharfschützenposten mit Blick auf die Stadt oder – wie die Skisprungschanze – als rückwärtiger Kommandoposten. Die Einschüsse sieht man überall. Und offenbar wird das Gelände heute wieder genutzt: Frische Sandsäcke deuteten darauf hin, dass die Armee dort Häuserkampf trainiert.
Eines der Hotels aus der Olympiazeit in den Bergen um Sarajevo.
Ein ernster Hinweis gehört dazu: Bleibt immer auf festen Wegen. Kroatien wurde vor ein, zwei Jahren als minenfrei gemeldet, Bosnien ist noch nicht so weit. Auf der Wanderkarte im Nationalpark waren mehrere Areale mit „Achtung Minen“ markiert, und an der Flugzeugkaverne Željava standen bei Martins erstem Besuch noch die kleinen roten Warnfähnchen am Rand. Wer sich von solchen Wegen entfernt, begibt sich in Lebensgefahr.
Bobbahn, Seilbahn – und eine Stunde im Gewitter
Für Sarajevo selbst empfiehlt Martin einen lokalen Guide, der viel mehr erzählen kann, als in jedem Reiseführer steht. Diesmal ging es wieder zum Kupferschmied und auf einen bosnischen Kaffee. Am Nachmittag fuhr die Gruppe mit der Seilbahn hinauf zur verlassenen Bobbahn der Winterspiele – ein Ort, der jedes Lost-Places-Herz höher schlagen lässt, auch wenn er inzwischen zum Mainstream-Ziel geworden ist, weil man so leicht hinkommt. Ihr könnt durch die mit Graffiti übersäte Bahn hinauf- und hinunterlaufen.
Die verlassene Bobbahn – längst nicht mehr nur ein Ziel für Lost-Places-Fans.
Kai erinnert sich an den Besuch im Vorjahr, als Martin noch selbst am Steuer saß und den Wagen durch Sarajevos schmale Bergstraßen mit ihren rechtwinkligen Kurven manövrierte. Deshalb diesmal: lokaler Fahrer und Seilbahn. Hinauf klappte das wunderbar. Hinunter nur für einen Teil der Gruppe. Am Nachmittag zog ein schweres Gewitter auf, und die Seilbahn stellte den Betrieb ein. Martin organisierte spontan über seinen lokalen Kontakt einen Transfer – der aber im Stau stecken blieb, weil es in Sarajevo so selten regnet, dass dann alle fahren wie wir bei Schnee. Als das Taxi endlich unterwegs war, fuhr die Seilbahn wieder. Ein Teil der Gruppe saß bis dahin eine Stunde lang im strömenden Regen auf dem Berg fest: nicht zur Bobbahn, weil es regnete, nicht hinunter, weil die Bahn stand. Unser Travel-Hack also: Die Seilbahn ist ein tolles Verkehrsmittel, aber behaltet den Wetterbericht im Blick.
Sarajevo zu Fuß, im Bus und mit der Klaus-Mark
Sarajevo hat uns beide angenehm überrascht. Die Stadt ist quirlig, aber nicht riesig, und ihr kommt viel zu Fuß herum. Baulich habt ihr Spuren der k.u.k.-Zeit, der osmanischen Zeit und der Gegenwart nebeneinander – ein toller Mix für alle, die Ziele abseits von Barcelona und Co. suchen.
Bosnischer Kaffee gehört zu jedem Stadtrundgang.
Für Bus und Straßenbahn gilt: Bezahlt wird direkt beim Fahrer, umgerechnet ein, zwei Euro, und dann fahrt ihr so weit, wie die Linie reicht. Automaten gibt es nicht, und an den Kiosken, an denen man angeblich auch Tickets bekommen soll, erntete Martin nur Kopfschütteln. Kartenzahlung funktioniert im Bus nicht, in Restaurants und den meisten anderen Orten dagegen inzwischen problemlos.
Bezahlt wird mit der Konvertiblen Mark, kurz KM. Seit einer Reise mit einem Teilnehmer namens Klaus heißt sie bei Martin nur noch Klaus-Mark – schöne Grüße an dieser Stelle. Bosnien hatte einst einseitig die D-Mark eingeführt; als die verschwand, wurde daraus die Konvertible Mark, gekoppelt an den Euro, und zwar tatsächlich noch zum alten D-Mark-Kurs.
Zwei Nächte war Martin diesmal in Sarajevo, in einem schöneren Hotel als im Vorjahr. Damals hatte Kai ein Zimmer erwischt, in dem das Duschwasser regelmäßig in den Raum lief und unter dem Teppich zu schimmeln begann. Er konnte zum Glück wechseln. Diesmal passte alles, sogar das Frühstück.
Sutjeska-Nationalpark: Urwald, Partisanen und das Tal der Helden
Von Sarajevo aus erreicht ihr nach knapp zwei Stunden den Sutjeska-Nationalpark – mit einem der letzten Urwälder Europas. Geschichtlich ist der Ort ebenso spannend: 1943 tobte hier die Schlacht an der Sutjeska, eine der härtesten des Zweiten Weltkriegs in Bosnien. Titos Partisanen waren von den Achsenmächten eingekesselt, das Verhältnis lag bei etwa 60.000 zu 6.000. Der Ausbruch gelang, und er trug viel zu Titos späterem Prestige bei.
Daran erinnert das Denkmal im Tal der Helden: zwei rund 20 Meter hohe Betonflügel auf einem Hügel, die den Durchbruch aus der Einkesselung symbolisieren. Ringsum saftig grüne Wiesen – ein großartiges Fotomotiv und eines dieser monumentalen Spomeniks, wie sie überall in Ex-Jugoslawien stehen.
Das Denkmal im Tal der Helden: zwei Betonflügel für den Durchbruch aus der Einkesselung.
Zum Denkmal gehört ein Gedenkhaus mit einem kleinen Museum. Im Vorjahr hatte uns dort noch jemand angebrüllt, alles war abgeschlossen. Diesmal war alles offen, aber niemand da – überall Baumaterial, frische Farbe, vielleicht Vorbereitungen für einen runden Jahrestag am 16. Juni. Martin fand schließlich einen Gärtner, verständigte sich per Google-Übersetzer, und mit Hilfe des Fahrers auf Bosnisch, Kroatisch und Englisch wurde der Museumsdirektor aufgetrieben, der das Gedenkhaus aufschloss. Drinnen hängen die martialischen Wandgemälde, die künstlerisch nicht überragend, als Zeitdokument aber ziemlich interessant sind. Wir hoffen, dass sie bei der Renovierung gesichert und nicht übermalt werden.
Rund 20 Meter hoch ragen die Flügel in den Himmel.
Die Wanderung, die sich nicht gelohnt hat
Diesmal blieb Martin zwei Nächte im Nationalpark, denn für den zweiten Tag hatte er eine besondere Wanderung organisiert. Ins Kerngebiet dürfen nur 20 Menschen pro Tag, mit Anmeldung und nur mit einem lizenzierten Guide – damit Flora und Fauna nicht gestört werden. Es gibt dort Bären und Wölfe. Gesehen hat die Gruppe keine, aber alle verhielten sich vorsichtshalber sehr leise.
Ziel war ein wunderschöner Wasserfall. Und trotzdem ist Martins ehrliches Urteil: Es trägt sich nicht. Die Wanderung war sehr beschwerlich, und für 130 bis 150 Euro pro Person für den Guide steht das in keinem Verhältnis. Auch für passionierte Wanderer gibt es seiner Meinung nach spannendere Gebiete. Außerhalb des Kerngebiets, im Grenzgebiet zwischen Montenegro und Bosnien, könnt ihr frei wandern, habt auf 1.800 Metern tolle Blicke in die Bergwelt und könnt von dort auch auf den Wasserfall hinunterschauen. Kai hatte sich mit einigen Reiseteilnehmern ausgetauscht – so richtig gut kam die Tour bei ihnen nicht an. Aber man muss es eben einfach machen und ausprobieren. Es hätte ja auch wunderschön sein können, mit badenden Bären unterm Wasserfall.
Ein seltsamer Kontrast fiel uns im Tal noch auf: Während ins Kerngebiet nur 20 Menschen am Tag dürfen, wird das schmale Flussbett unten alle paar Kilometer aufgestaut. Chinesische Investoren bauen dort kleine Wasserkraftwerke, die auch die geringe Wassermenge zur Stromerzeugung nutzen.
Abstecher nach Montenegro: Schnellboot-Bunker und Oligarchen-Yachten
Vom Nationalpark aus könnt ihr den Kreis zurück nach Mostar schließen – oder wie Martin noch einen Tag in der Bucht von Kotor dranhängen. Vom Hotel aus ging es per Boot in die Bucht zu den drei sogenannten U-Boot-Bunkern, die eigentlich Schnellboot-Bunker sind. Die Fahrt zur Blauen Höhle, die wir im Vorjahr gemacht hatten, hat Martin diesmal ausgelassen. Stattdessen ging es um eine ehemalige k.u.k.-Festung herum, die heute ein exklusives Hotel ist, und weiter nach Tivat, wo der Flughafen liegt.
In Tivat hatte einen Tag zuvor ein Westbalkan-Gipfel zum EU-Beitritt stattgefunden, samt Bundeskanzler. Martins Gruppe war einen Tag später da – Trendsetter eben. Dort liegt auch eine Insel mit einem großen verlassenen Hotel, für die man allerdings erst ein Boot finden müsste, das einen hinüberbringt. Daneben ankern riesige Yachten, die zum Verkauf stehen, für 200 oder 300 Millionen, mit Hubschrauberlandeplatz. Mit dem kleinen Touristenboot an so einer Yacht vorbeizuschippern, die einfach nicht aufhören will, ist ein Erlebnis für sich. Gebadet wurde natürlich auch, bei 30 Grad. Und in Tivat entsteht gerade ein neues Radisson-Hotel – den Ort kann man sich merken. Die Altstadt von Kotor und den Aufstieg über die Festungsmauern haben wir uns beide noch nicht gegönnt. Bei der Hitze will man das auch nicht.
Unser Fazit – und wie es weitergeht
Was macht Bosnien-Herzegowina aus? Für Martin ist es der Mix. Ihr könnt das Land für Natur genauso empfehlen wie für Geschichte, und genau die Kombination macht es spannend. Konzentriert euch nicht nur auf Mostar oder nur auf Sarajevo. Wenn ihr eine Woche habt, nutzt sie: Entdeckt das Land, kommt mit den Menschen ins Gespräch, trinkt bosnischen Kaffee, bezahlt mit Klaus-Mark – und bestellt die kleine Portion Ćevapi.
Martin wird jedes Jahr wiederkommen. In diesem Jahr hat er Kroatien, Bosnien und Albanien kombiniert, im nächsten Jahr sollen es Bosnien, Albanien und Griechenland werden – mit einem der tiefsten Canyons der Welt, dem Kanal von Korinth und einer Insel mit Piratenbucht. Über Kroatien machen wir vielleicht noch eine halbe Folge: Zwischen Zadar, Split und Dubrovnik braucht ihr dank der Schnellfähren eigentlich gar kein Auto mehr. Kai hat übrigens im nächsten Jahr zehn Tage Bildungsurlaub übrig. Nur so als Gedanke.
Als wir die Folge aufgenommen haben, stand Martins Nord-Tournee kurz bevor: Färöer, Spitzbergen, Grönland, Island. Kai zog es im Sommer mit der Familie an den Gardasee und danach weiter nach Kroatien rund um Pula, wo es ebenfalls jede Menge Festungen und Bunker gibt.
Und noch eine Premiere zum Schluss: Unseren Podcast gibt es jetzt auch auf YouTube, auf dem Kanal „Ein Tag wie kein anderer“. Alle bisherigen Folgen sind dort schon online, und diese hier haben wir erstmals auch mit Bild aufgenommen. Sagt uns, ob euch das Format gefällt.
Habt ihr Fragen zu Bosnien oder Tipps, wo wir noch hinmüssen? Schreibt uns, mailt uns, ruft an – oder sprecht uns auf der Straße an, wenn ihr uns erkennt. Wir sammeln eure Fragen und machen vielleicht bald eine eigene Frage-und-Antwort-Folge daraus. Alle Folgen und Bilder findet ihr auf eintagwiekeinanderer.de.
Tags: Bosnien-Herzegowina, Bosnien, Mostar, Sarajevo, Stari Most, Konjic, Titos Bunker, ARK D-0, Olympia 1984, Bobbahn, Sutjeska, Tal der Helden, Kravica, Buna-Quelle, Dubrovnik, Hotel Belvedere, Kotor, Lost Places, Balkan, Rundreise, Podcast
Folge 15 – Kai war zum 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten in Washington. Herausgekommen ist eine Folge über Feuerwerk, Gedenkstätten und die ganze Ostküste. Ein verlängertes Wochenende, ein Flug für […]
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